Seit kurzem ist es auch in Deutschland möglich auf die Indiegames auf Xbox LIVE zuzugreifen – eine Sammlung von Spielen die nicht von großen Spieleentwicklern erstellt wurden sondern meist als Hobbyprojekt im Hinterstübchen entstanden sind. Die Preise sind sehr human und fangen bei rund einem Euro an – also eine attraktive Alternative zu den doch teureren Spielen im Arcade Bereich.
Ich selbst habe das letzte mal als Schüler ein eigenes „Spiel“ geschrieben – das ist jetzt weit über 10 Jahre her. Damals habe ich meine bescheidenen Turbo Pascal Kenntnisse genutzt um ein MiniRPG/Adventure auf Textbasis mit kleinen Grafikelementen zu schreiben. Im Informatikunterricht haben wir damals ein kleines CAD Programm geschrieben und somit war ich versucht die Grafikbausteine auch gleich in ein Spiel zu packen. Fertig ist es nie geworden – aber die Motivation war auch gering, denn selbst wenn es fertig geworden wäre, so hätte ich doch keine Möglichkeit gehabt es der weiten Welt zur Verfügung zu stellen (das Internet war damals noch nicht so verbreitet und ich weit davon entfernt eine Webseite zu erstellen). Der Wunsch einmal ein eigenes Spiel zu erstellen ist aber geblieben und jetzt bietet sich die Möglichkeit es sogar weltweit allen Xbox 360 Spielern zur Verfügung zu stellen (und vielleicht sogar ein paar Euros damit zu verdienen).
Doch kann jetzt jeder sein eigenes Spiel erstellen? Im Prinzip ja und die ersten Schritte kosten nicht einmal Geld. Aber für Leute die noch nie programmiert haben ist der Einstieg noch immer mit hohen Hürden verbunden – sie sollten besser erstmal mit Kodu, selbst ein Indietitel, anfangen. Leider ist Kodu bisher nicht für den deutschen Marktplatz freigegben worden – dies wird aber hoffentlich nicht mehr lange dauern. Wer aber bereits ein wenig Erfahrung in der Objektorientierten Programmierung vorweisen kann, der sollte sich ggf. wirklich mal den XNA Creators Club anschauen. Die ersten Schritte kann man mit wirklich gelungenen Tutorials zur 2D und 3D Spieleprogrammierung machen – siehe hier.
Programmiert wird in C#, einer Programmiersprache die Java sehr ähnlich ist und somit von einem Großteil der Hobbyentwickler und fast jedem Informatiker leicht zu erlernen ist. Der Einstieg gestaltet sich somit vergleichsweise einfach und die ersten Ergebnisse sind sehr schnell erzielt.
Wer die Spiele direkt auf der Xbox360 testen möchte, und dies ist aus der Entwicklungsumgebung heraus direkt möglich, muss für 99$ im Jahr eine Premium Mitgliedschaft im XNA Creators Club erwerben. Wer erstmal einfach nur reinschnuppern möchte, der kann aber auch am PC die Titel testen und direkt loslegen. Von MS wird hierfür kostenlos alles bereit gestellt.
Damit man nicht jedes Rad neu erfinden muss findet man auf der Seite des XNA Creators Club einige fertige Spiele die man sogar als Basis für eigene Spiele nutzen kann. Wer hier jetzt nur einfache Simpelspielchen erwartet liegt falsch – sogar ein richtiges Autorennen ist enthalten. Sehr beeindruckend – dennoch sollte man es sich nicht zu einfach vorstellen jetzt sein eigenes Spiel zu erstellen. Es handelt sich nicht um einen Spielebaukasten, es muss der Quelltext umgeschrieben und nicht nur ein Leveleditor angeschmissen werden. Dies fordert mehr als nur ein gutes Verständnis für Spiele!
Hat man aber sein eigenes Spiel erstellt, so bewertet die Gemeinde der Spieleentwickler das Spiel. Dies kann einige Wochen dauern, denn nur wenn das Spiel fehlerfrei und den Regeln der Indie Games entspricht darf es auf den Indie Games Marktplatz. Der Entwickler entscheidet hierbei selbst in welchen Ländern es erscheinen darf und ob er lokalisierte Versionen herausbringen möchte. Dabei kann er nicht nur das Spiel selbst lokalisieren – es ist auch möglich nur die Beschreibungen im Marktplatz zu lokalisieren. Leider ist die Community noch vergleichsweise frisch und Übersetzer rar – dies stellt vor allem eine Hürde dar, weil Entwickler das Spiel nur dann „prüfen“ dürfen, wenn sie der Sprache des Spiels mächtig sind. Möchte man also ein Spiel auf deutsch auf den Marktplatz bringen, so muss man genug deutschsprachige Entwickler finden die das Spiel prüfen. Dies dürfte auch der Grund sein, warum bisher kaum deutschsprachige Spiele auf dem Marktplatz zu finden sind – die Hürde der Verifizierung ist einfach zu hoch. Ausserdem muss erstmal ein Übersetzer gefunden werden!
Der Lohn der Mühe? Wenn es einem nicht genügt ein wenig Ruhm und Anerkennung daraus zu ziehen, so motivieren vielleicht die Gelder die aus dem Verkauf der Spiele kommen. 80, 240 oder 400 MS Points darf ein Spiel kosten, frei nach Entscheidung des Entwicklers. Hiervon bekommt der Entwickler einen Teil des Geldes – den Rest behält Microsoft. Soweit scheint der Anteil sehr fair zu sein – aber hier ist wohl nichts in Stein geschrieben. Insgesamt scheint es MS aber Ernst zu meinen mit einer fairen Lösung – nur Ebay war auch mal günstig/fair. Ein wenig ist man hier MS ausgeliefert – allerdings bekommt man derzeit eine wirklich tolle Gegenleistung.
Verkauft werden können die Spiele derzeit in die US, Kanada, England, Frankreich, Japan, Schweden, Singapur, Spanien und natürlich Deutschland – es ist aber sicher nur eine Frage der Zeit bis das gesamte LIVE Einzugsgebiet verfügbar für Verkäufe sein wird. Es gibt nunmal einige rechtliche Fragen zu klären – nicht nur für Microsoft! Jeder Entwickler ist in Rechtsfragen auf sich alleine gestellt – seien es Steuerfragen, Copyright oder sonstige Rechtsbelange. Auch im offiziellen Entwicklerforum dürfen sich die Entwickler diesbezüglich nicht austauschen – dies ist verständlich, da MS eine Haftung ausschliessen möchte/muss.
Hat das Indie Games Konzept Zukunft? Auf jeden Fall – mit dem August Update sollen endlich auch Bewertungen eingeführt werden, so dass sich die besten Spiele leichter aus der Masse (insgesamt sind bereits über 300 Spiele verfügbar) kristalisieren lassen. In Deutschland ist es aber noch übersichtlich – bisher sind noch lange nicht alle Spiele freigeschaltet von den Entwicklern.
Einige tolle Spiele sind bereits erschienen – ich möchte hierbei vor allem auf Weapon of Choice und CarneyVale aufmerksam machen. Weapon of Choice zeigt ein paar tolle neue Konzepte für einen einfachen Shooter im Turrican Style während CarneyVale beeindruckend zeigt wieviel Gameplay schon mit nur einem Button möglich ist (es sind aber mehrere Buttons belegt, man fängt halt nur klein an). Probieren kostet nix – also beim nächsten Besuch online ruhig mal einen Blick darauf werfen.
Einige Spieledesigner können inzwischen sogar schon von den Einnahmen leben – ich denke ich werde mal schauen ob mir das auch gelingt.
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Teil 1 habe ich seinerzeit auf der Xbox 1 durchgespielt und das Spiel hat mir recht gut gefallen. Kein Killertitel, aber solide Action-RPG Kost die nur leider den überzogenen Versprechen nicht standhalten konnte.