Fable 2 durchgespielt

fable-2Teil 1 habe ich seinerzeit auf der Xbox 1 durchgespielt und das Spiel hat mir recht gut gefallen. Kein Killertitel, aber solide Action-RPG Kost die nur leider den überzogenen Versprechen nicht standhalten konnte.

Als mir dann Fable 2 in die Hände kam war ich sofort geneigt das Spiel auszuprobieren – und bin ziemlich überrascht worden, denn die Welt wirkt diesmal wesentlich überzeugender und ist die schönste RPG Welt die mir bisher untergekommen ist. Tag-Nachtwechsel, wunderschöne Lichteffekte, Wettersystem (leider ohne Schnee) … das ganze wirkt verdammt rund und ich habe mich spontan an das Erlebnis erinnert als ich Zelda Ocarina of Time das erste mal in meine Konsole gesteckt habe.

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Auch die Charaktere im Spiel sind deutlich lebensechter geworden – allerdings beschränkt sich die Interaktion mit ihnen weiterhin auf lächerliches Rumgehampel. Ein besonderer Tiefgang ist hier nicht vorhanden, aber oberflächlich amüsant ist es allemal. Im Großen und ganzen ist es einfach ein gelungenes Update zum ersten Teil.

Es wurde verdammt viel richtig gemacht – der Held schwimmt so schnell wie Flipper ( und das ist ein Segen ), kann über lange Distanzen sprinten und auf Wunsch auch automatisch reisen. Das sind für ein weitläufiges RPG entscheidende Vorteile – oftmals wird ja die Spielzeit künstlich durch ständiges Ablaufen langer Distanzen in die Länge gezogen. Bei Fable 2 hat man sich das gespart. Überhaupt sind wirklich wenige Bugs im Spiel – in der Releasezeit sah dies ja noch anders aus. Und mir ist kein einziger wirklich störender Fehler aufgefallen – das ist eine Seltenheit. Das Waffensystem ist einfach gehalten – man kann eine Nahkampf und eine Fernkampfwaffe benutzen und soviele mit sich tragen wie man möchte. Um noch ein wenig Feintunig zu betreiben ist es möglich magische Steine mit besonderen Eigenschaften einzusetzen.

Allgemein richtet sich Fable an Gelegenheitsspieler – der Schwierigkeitsgrad ist so niedrig, dass ich bis zum Ende des Spiels genau dreimal gestorben bin (und diese Tode habe ich nichtmal gemerkt – am Ende hatte ich noch ein Dutzend „automatisch Wiederbeleben Zaubertränke“ in meinen weiten Taschen). Was also passiert wenn man stirbt ? Ich habe keine Ahnung.

Kämpfe sind immer sehr simpel und es kommt nie Frust auf, vielmehr wird das „Heldsein“ Gefühl sehr gut vermittelt. Toll finde ich in dem Zusammenhang auch das Erfahrungspunkte System – es gibt vier Kategorien ( Magie, Fernkampf, Nahkampf und Neutral) in denen man Erfahrungspunkte sammelt und diese werden durch farbige Kugeln beim Dahinscheiden eines Gegners in die Umgebung gepackt. Man kann nun in den ersten 3 Kategorien Fähigkeiten mit den Punkten kaufen und die neutralen Erfahrungspunkte lassen sich in jeder der Kategorien verwenden. Die Art der Erfahrungspunkte die ein Gegner ausschüttet sind davon abhängig wie man an den Gegner herantritt. Schiesst man ihn aus der Entfernung mit Pfeil und Bogen ab, so gibt es verstärkt Fernkampferfahrung usw.
Am Ende eines Kampfes steht man also in einem Meer bunter Kugeln und saugt diese auf Tastendruck an – eine deutlich befriedigendere Lösung als nur +100XP zu lesen.

So wird im Laufe der Zeit der eigene Held also immer stärker und spezialisiert sich. Dies hat auch optische Auswirkungen – zum Beispiel hat mein stark magieorientierter Charakter jetzt gleißend leuchtende Linien die über seine Haut wandern. Noch lustiger ist aber die Tatsache, dass eure Heldentaten das Wachstum anregen und ihr im Laufe des Spiels über alle anderen Charaktere hinauswachst.

Die Story ist eher eindimensional und hält kaum Überraschungen bereit, erfüllt aber ihren Zweck für ein Action-RPG vollkommen. Getragen wird sie hauptsächlich durch die netten Zwischensequenzen und die geniale Sprachausgabe (englische Version gespielt !!!). Oftmals sind die Sidequests viel interessanter als die Hauptquest – vor allem weil man den Bösewicht bis zum Ende des Spiels nicht wirklich zu Gesicht bekommt und somit kaum eine Beziehung zu ihm aufbaut. Auch regelmässig auftretende Handlanger gibt es eigentlich nicht.

Dafür gibt es aber abgedrehte Nebenquests die aus dem Alltagsgemetzel herausragen und oft eine gehörige Portion an Humor beinhalten. Überhaupt ist der Humor im Spiel nicht zu kurz gekommen. Zwar gibt es nicht soviele Texte wie zum Beispiel in Oblivion zu lesen, dafür sind Bücher, Notizzettel etc. aber mit mehr Liebe geschrieben und einfach lustiger. Ich habe ein paarmal sogar herzhaft aufgelacht – das passiert mir bei RPGs eher selten.

Dennoch gibt es noch Potential zur Verbesserung – zum Beispiel die Waffen. Die Auswahl ist letztlich sehr eingeschränkt, da man sehr schnell die besseren Waffen bekommt und der Großteil der Waffen in die Kategorie „Kinderspielzeug“ fällt. Ich habe vielleicht 5-6 Nahkamp und noch weniger Fernkampfwaffen ausprobiert – der Rest war einfach zu schwach. Und bis auf sehr, sehr, sehr wenige Ausnahmen kauft man seine Waffen beim Händler und findet sie nicht tief in der Trollhöhle. Dies mag zwar für den Gelegenheitsspieler praktisch sein, der Forscherdrang bleibt aber unbefriedigt. Es gibt zwar genug zu entdecken – nur sind 95% davon wertloser Müll ! Wenn man 150.000 Goldstücke im Geldbeutel hat, dann freut man sich nicht mehr über einen 100 Goldstücke Geldsack den jemand im Boden vergraben hat – man ärgert sich nur über die verschwendete Zeit für die Suche.
Richtige Belohnungen sind einfach zu selten – dennoch gibt es sie. Hier hätte man einfach mehr Waffen ins Spiel bringen müssen um versteckte Truhen, tiefe Höhlen und vergrabene Schätze motivierender zu machen.

Auch bei den Gegnern hätte man mehr Abwechslung bieten können – so ziemlich alle Gegner lassen sich mit der gleichen Taktik problemlos besiegen. In Punkto Kampfsystem ist es ein wenig zu sehr simples Hack´n Slay – mehr Diablo 1 als ein richtiges RPG.

Dennoch hält einen die Atmosphäre immer bei der Stange und es gibt soviel zu entdecken, dass man laaaange Zeit mit dem Spiel verbringen kann. Ich habe selbst nach dem Durchspielen noch einige Stunden mit dem Titel verbracht und werde ihn bestimmt noch so manches Mal ausgraben. Es gibt noch bestimmt ein halbes Dutzend Locations zu denen ich bisher keinen Zugang bekommen habe. Ausserdem gibt es da noch diese frechen Gargoyles die übers Land verteilt sind und einen beleidigen – die möchte ich auch noch alle finden (die Gargoyles mit ihrem britischen Dialekt und ihrer losen Zunge gehören zu den Highlights im Spiel).

Fazit: Anspielen – umbedingt. Jetzt ist das Spiel gebraucht günstig zu haben und die Fehler sind ausgemerzt. Die Grafik ist weiterhin auf der Höhe der Zeit und man unterstützt nicht mehr diese Abzockaktionen zum Launch. Ich kann nur zum Titel raten ! Insbesondere Gelegenheitsspieler werden hier genau das richtige Spiel für sich finden – ein goldener Faden führt durch das gesamte Spiel und Frust ist so gut wie ausgeschlossen.

Der erfahrene Gamer wird sich bestimmt einen höheren Schwierigkeitsgrad wünschen – dennoch fällt es nicht so leicht das Pad aus der Hand zu legen. Vielleicht wird Fable III dann etwas herausfordernder.

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