Vorsicht vor den Killerjoghurts – das Killerspiel Problem !

Wir Gamer haben es nicht leicht – alle Nase lang denken sich Politiker und Medien es wäre doch eine gute Idee von der eigenen Schuld an Amokläufen abzulenken indem man auf „Killerspiele“ verweist.  Egoshooter sind gesellschaftlich gesehen ein brandneues Phänomen – nur wenige Bürger über 35 kennen sich mit der Materie ausreichend aus um ein eigenes Urteil zu fällen. Entsprechend ist es einfach den Menschen ein Kuckucksei unterzujubeln – was man nicht kennt ist immer eine mögliche Gefahr.

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Das hat schon früher gut funktioniert – man denke zum Beispiel an die „Killercomics“ ! Natürlich sind Comics schuldig an der „Verrohung der Jugend“ – zumindest dachten so viele Leute Mitte des letzten Jahrhunderts. Später kam dann das „KillerFernsehen“ – natürlich sind Serien und Filme schuldig an der „Verrohung der Jugend“. Eltern, Lehrer, der Staat … alle vollends unschuldig – oder auch einfach nicht mediengeeignet. Man möchte doch den Leser nicht verunsichern – er könnte schliesslich selbst in eine diese Kategorien gehören. Und keiner mag es wenn einem das eigene Verschulden vor Augen geführt wird.

Ein Bekannter hat letztens darauf hingewiesen, dass alle das eigentliche Problem übersehen. Joghurt – er ist sich ziemlich sicher, dass in den Kühlschränken der Amokläufer Joghurt zu finden gewesen sei (oder sich in letzter Zeit darin befunden hat). Das kann kein Zufall sein, Joghurt ist der Grund für die Amokläufe. KILLERJOGHURT !!

Was soll uns das sagen ? Na wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit das Joghurt im Kühlschrank zu finden ist ? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit das ein Jugendlicher heute einen EgoShooter auf der Festplatte installiert hat ? GENAU !

Führen wir diesen Gedanken doch ein wenig weiter:

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, …

…dass ein Jugendlicher Zugang zu Schusswaffen hat ?
…dass Eltern und Lehrer kein auffälliges Verhalten vor einem Amoklauf bemerken ?
…dass ein Jugendlicher die Idee eines Amoklaufes durch die Medien suggeriert bekommt ?
…dass ein Jugendlicher in einer überfüllten Klasse sitzt in der die Lehrkraft kaum Herr der Lage werden (geschweige denn sich um einzelne Schüler intensiv kümmern) kann ?

Die Probleme sitzen an anderer Stelle als den Killerspielen. Und wer auf Killerspiele verweist lenkt von den tatsächlichen Ursachen ab – und das ist wirklich ein Problem !

Politiker sollten das Schulwesen optimieren – der derzeitige Zustand (überforderte Lehrer, zu große Klassen, zu geringes Budget) führt zu einer Vernachlässigung der Schüler. Im großen Stil bedeutet das ein Versagen bei PISA, im kleinen Stil bedeutet das Amokläufe von verzweifelten Schülern.

Politiker sollten das Waffenrecht in der Form abändern, dass es erheblich schwerer für Jugendliche wird an Schusswaffen zu gelangen. Und wenn dies bedeutet, dass jede Waffenlagerstelle jährlich abgenommen werden muss und genormten Standards zu entsprechen hat, dann wäre das vielleicht ein erster Schritt. Im schlimmsten Fall würden sogar ein paar neue Arbeitsplätze entstehen.

Medien sollten ihre Berichterstattung anpassen. Keine Bilder der Täter und bitte auch keine Namensnennung. Das ganze sollte journalistisch und nicht reißerisch vermittelt werden. Die Aufmerksamkeit die diese Fälle bekommen führt nur zu Copycats. Im Internet gibt es sogar Toplisten – nach dem Motto wer schafft es auf Platz 1 (die meisten Kills in einem Amoklauf).

Eltern sollten sich mehr mit ihren Kindern beschäftigen – ein TV ist ein netter Zeitvertreib aber kein Erziehungsersatz. Eltern finden heute immer weniger Zeit um sich mit ihren Kindern zu beschäftigen – dabei müsste es heute eigentlich mehr Zeit sein, denn die Welt der Kids verstehen Eltern doch überhaupt nicht mehr. Welche Eltern machen sich schon die Mühe sich ernsthaft mit den Videogames der Kinder zu beschäftigen. Verbieten weil die Medien von Killerspielen reden ist doch viel einfacher – nur eben keine Lösung.

Jugendliche – seid nett zu euren Mitschülern, achtet auf eure Mitmenschen. Wenn das Mobbing in der Schule einige Schüler zu Aussenseitern macht, dann wundert euch nicht wenn diese Aussenseiter sich nicht wirklich um euch sorgen während sie ein paar Gramm Blei in eure Richtung schiessen.

Sind Egoshooter jetzt also harmlos und über jeden Verdacht erhaben ? Ganz bestimmt nicht – das Training in einem Egoshooter kann das „Tötungspotential“ erheblich erhöhen. Die Reaktionen werden besser, der mechanische Ablauf automatisiert und taktisches Umgehen mit Waffen, wenn auch nur simuliert, trainiert. Kombiniert mit richtigem Training an der Waffe, zum Beispiel im Schützenverein, ergibt sich eine explosive Kombination. Ich tippe darauf, dass die meisten Amokläufe ohne entsprechendes Training deutlich weniger blutig geendet hätten.

Ähnliches lässt sich aber auch über den Sportunterricht oder Fussball im Verein sagen – alles was die Leistungsfähigkeit einer Person verbessert macht aus normalen Menschen potentielle „Killermaschinen“. Deshalb hat die amerikanische Armee nicht auf rein elektronisches Trainieren umgestellt und lässt auch heute noch die Soldaten um die Bunker joggen.

Was trainieren EgoShooter sonst noch ? Zum Beispiel Teamwork – wer online mit Freunden einen Egoshooter spielt, der koordiniert Angriffe, verteidigt gemeinsam Stellungen oder „heilt“ angeschlagene Kameraden. In einigen Spielen gibt es zum Beispiel auch die Rolle des digitalen Sanitäters – wie häufig wurde darüber in den Medien berichtet ?

Sind EgoShooter ein Sport ? Es gibt ganze Ligen und Spieler die beruflich Shooter spielen – das ganze ist in Europa noch am Anfang, aber auf lange Sicht werden EgoShooter genauso als Sport anerkannt wie Schach. Im Moment ist die Gesellschaft noch nicht so weit – aber in 30 Jahren wird es in der männlichen Bevölkerung vermutlich ähnlich viele EgoShooterfans geben wie es heute Fussballfans gibt.

Die letztlich interessanteste Frage ist aber – was würde ein Verbot von Killerspielen bewirken ? Wenig bis gar nichts – so gut wie jeder Schüler hat neben dem legalen Bezugsweg noch eine illegale Alternative. Egal ob ein Spiel in Deutschland verboten ist oder nicht, ein moderner Schüler bekommt es. Das war schon vor 15 Jahren so, als ich noch die Schulbank gedrückt habe, und ist heute dank schnellem Internet und tausend Kommunikationsformen noch einfacher geworden. Eltern haben keine Chance Kontrolle darüber zu erhalten und dem Staat geht es da nicht besser. Die Illusion zu vermitteln ein Verbot könnte einen Unterschied machen ist verdammt naiv.

Was würde ein Verbot von privaten Feuerwaffen bewirken ? Vermutlich deutlich mehr und es würde gleichzeitig deutlich weniger Menschen betreffen. Das Problem würde es aber nicht beheben. Jugendliche würden weiter Steine von Autobahnbrücken werfen und Gebäude anzünden. Die Problematik auf „Amokläufe“ zu begrenzen ist so sinnlos wie mit dem Auto zu fahren weil man Angst vorm Absturz im Flugzeug hat.

Das Problem muss bei den Wurzeln angegangen werden – nur ob das auch jemand will ? Frag die Politiker !

2 Antworten

  1. Klar würde ein allgemeines Verbot von Killerspielen viel bewirken. Niemand könnte mehr frei auf dem Schulhof herumposaunen, dass er eins besitzt und spielt. Die gesellschaftliche Ächtung würde den „Markt“ nach kurzer Zeit zusammenbrechen lassen.
    Nehmt den Uneinsichtigen ruhig ihr „Lieblingsspielzeug“ weg, damit sie erkennen: Es geht auch ohne!

    • „Niemand könnte mehr frei auf dem Schulhof herumposaunen, dass er eins besitzt und spielt.“

      Hmmm – lasst uns Fussball verbieten, niemand könnte mehr …

      Was hätte man noch gleich erreicht ? Gar nichts ! Und was den Schulhof angeht – da würde weiterhin jeder mit jedem EgoShooter tauschen, warum sollte ein Verbot sich auf einen bereits jetzt illegalen Raubkopietauschplatz auswirken ?

      Ein Zusammenbrechen des Marktes benötigt ein weltweites Verbot – also auch Russland und Asien … du wirst nichtmal ein Europa- oder US weites Verbot sehen, dafür gibt es bereits zuviele Wähler die wissen worum es geht und auf die Barikaden gehen würden.

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