
Jedes Jahr muss der geneigte Computerspieler einige hundert Euro in sein System investieren um jedes aktuelle Spiel mit maximalen Details in hoher Auflösung spielen zu können. Damit möchte OnLive jetzt Schluss machen.
Man nehme einen schwachbrüstigen Laptop oder HeimPC mit Internetverbindung, starte die OnLive Software und schon kann man zum Beispiel Crysis mit vollen Details flüssig zocken.
weiter gehts nach dem break
Wie das gehen soll ? Indem man die Berechnungen für Grafik & Sound nicht auf dem Rechner zuhause laufen lässt sondern in einer Serverfarm bei OnLive – der Rechner zuhause ist nur dazu da um die Eingaben von Maus und Tastatur (oder Gamepad etc.) an den Server bei OnLive zu senden und die Bild- und Audiodaten ähnlich einem YouTube Video wiederzugeben.
Und das soll funktionieren ? Sagen zumindest die Leute von OnLive – das Problem dabei ist die Verzögerung die durch den Datentransport entsteht. Ich drücke zuhause den Feuerknopf auf meinem Pad und die Information wird übers Internet bis zum Servercenter transportiert. Dort angekommen berechnet der Server Grafik und Audio und schickt diese Daten via Internet zurück in mein Heim. Ein solche Route dürfte selbst unter sehr guten Verbindungsbedingungen ein kleines bisschen Zeit kosten – und diese Zeit trennt Aktion des Nutzers von der audiovisuellen Repräsentation der Aktion auf dem Bildschirm, es entsteht eine Asynchronität. Genau betrachtet ist dies sowieso schon der Fall – auch heute braucht der Computer eine gewisse Zeit die Daten zu berechnen, nur fällt diese so gering aus, dass wir (meist) nicht in der Lage sind sie zu bemerken. Bei OnLive sieht das vielleicht anders aus – keinesfalls wird jeder, mit der heutigen Internetinfrastruktur, in der Lage sein ein zum herkömmlichen Verfahren vergleichbares Spieleerlebnis zu geniessen. Aber es ist ja auch nicht jeder in der Lage auf seinem Laptop Crysis anständig zu spielen.
Bei OnLive will man auf jeden Fall für die durchschnittliche DSL Verbindung nach jahrelanger Entwicklung ein System erschaffen haben welches die meisten Gamer zufrieden stellt. Eine 1,5 Mbit Leitung soll für TV (Röhre !!) Auflösung reichen und mit 5 Mbit soll sogar 720p HDTV möglich sein ( das ist der Standard der meisten Xbox 360 Games ). Ich habe daheim eine 16 Mbit Leitung von Hansenet, entsprechend könnte ich dann sogar mit 2 Freunden an 3 Geräten parallel in 720p spielen !
PC- und Mac Besitzer dürften somit die Hauptzielgruppe darstellen – insbesondere MacUser dürften davon profitieren, dass plötzlich eine Menge PC Spiele auf ihrem System spielbar sind. Es könnte sogar Apple zu einer stärkeren Verbreitung helfen – viele kaufen keinen Mac weil PC Spiele darauf nicht laufen.
Aber auch ohne Computer kann man OnLive nutzen – eine kleine Verbindungsbox, genannt MicroConsole, ermöglicht die Verbindung mit (HD)TV und Maus/Tastatur ( oder speziellem schnurlosem Gamepad ). Diese MicroConsole ist so klein, dass man sie auch bequem mit zu Freunden nehmen kann.
Was wird das ganze kosten ? Gute Frage – ein konkretes Preismodell gibt es wohl noch nicht ( oder man möchte es nicht verraten ). Es soll aber Spiele sowohl zum Kauf geben als auch in einer Miet-Variante in der man nur zahlt was man tatsächlich spielt ( das dürfte auf jeden Fall viele Gänge in die Videothek ersparen ). Die MicroConsole soll sehr günstig werden ( sie hat ja auch nur kostengünstige Hardware verbaut), daher wird es vermutlich wie auch bei Handys Verträge geben in denen die MicroConsole umsonst beigelegt wird. Preislich sicherlich kein Vergleich zum Einstieg in Welt der Konsolen- geschweige denn PC-Spiele. Interessant werden auch die Preise für die Spiele sein – will man uns immer noch den vollen Preis berechnen wenn es vollkommen unmöglich ist das Spiel zu kopieren ? Schliesslich bleiben die Daten alle im Servercenter und kommen nicht einmal in die Reichweite des Nutzers.
Außerdem würde man eine Menge Rohstoffe einsparen – ein Xbox360 Server würde ja etliche gekaufte Konsolen ersetzen. Die meisten Konsolen sind schliesslich weit über 90% der Zeit abgeschaltet und sammeln nur Staub. Ebenso würde die Distribution dieser Konsolen wegfallen – ein Minus für den Einzelhandel, aber ein Plus für die Umwelt. Dafür würde eine Menge zusätzlicher Traffic im Internet entstehen welcher Energie verbraucht – am Ende dürfte die Bilanz vermutlich positiv für die Umwelt ausfallen denke ich.
Das ganze hat natürlich auch Schattenseiten – nicht nur für den Einzelhandel und Raubkopierer. Zum einen verlieren wir die Kontrolle über die Inhalte! Mods sind über OnLive genauso ausgeschlossen wie all die kleinen Tools die Spieler gerne einsetzen ( nicht nur um zu schummeln
). Auch wird es nicht mehr möglich sein eine ausländische Spielekopie zu verwenden falls das Spiel im eigenen Land nicht oder nur geschnitten erscheint. Eine erschreckende Einschränkung der Entscheidungsfreiheit – es könnte ein „Friss oder stirb!“ System werden.
Ebenso wird das System zu Stosszeiten garantiert nicht alle Gamer gleichzeitig mit den neuesten Spieleerscheinungen beliefern können. Am Tag an dem GTA IV erschien war bestimmt ein Vielfaches an Spielern vor den Konsolen im Vergleich zum Normalzustand – für solch eine Spitze nach oben macht es keinen Sinn Reserven aufzubauen, das tritt zu selten ein und erhöht die Kosten unverhältnismäßig. Eher könnte ich mir folgende Meldung vorstellen:
„You have to wait for 56 gamers to end their GTA V session – this will take approximately 54 minutes!“
Solange die Internetinfrastruktur nicht schnell genug ist um den Dienst von einer einzelnen Serverfarm weltweit anbieten zu können ,wird es weiterhin unnötig viele Systeme geben und der Aufwand ein flächendeckendes Netz aufzubauen dürfte enorm sein. Im Laufe der Zeit relativiert sich dieser Punkt aber bestimmt.
Und ist der Server- oder die eigene Internetverbindung unten, dann geht gar nichts mehr.
Wo stehen wir jetzt ? Im Sommer läuft in den Staaten der Beta-Test an und dieses Jahr auf der Game Developer´s Conference 2009 in San Francisco waren 16 Spiele spielbar im System. Dabei handelt es sich vorrangig um Toptitel wie Mirrors Edge oder Crysis Warhead – das System scheint also schon sehr ausgereift zu sein. Erfahrungsberichte habe ich noch keine gelesen – aber da wird sicher spätestens im Sommer eine Welle kommen sobald die ersten Amis auf das BetaProgramm losgelassen werden. Wann, ob und wie es bei uns in Europa erscheint ist noch unbekannt – ich bin gespannt.
UPDATE: Hier noch eine Liste der aktuell lauffähigen Games die auf der GDC präsentiert wurden:
- Bioshock
- Burnout Paradise
- Crysis Warhead
- F.E.A.R. 2 Project Orign
- Frontlines Fule of War
- Grid
- Hawx
- LEGO Batman
- Major League Baseball 2k9
- Mirror’s Edge
- Prince of Persia
- Riddick
- Tomb Raider: Underworld
- Unreal Tournament 3
- Wheelman
- World of Goo
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