Raubkopierer oder Medienjunkies ?

Am 29 März 2009 hat The Pirate Bay, eine schwedische Bittorrent Tracker Seite, einen Dienst namens IPREDator für anonymisiertes Filesharing angekündigt der 5€ im Monat kostet. Damit soll Tauschen von Dateien im Internet möglich sein ohne die Keule der Rechteinhaber fürchten zu müssen. 2 Wochen später haben sich über 100.000 Menschen, zumeist aus Schweden, für den Dienst angemeldet.

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Über 100.000 Menschen ? Das sind über eine halbe Million Euro jeden Monat – eine Menge Geld das jetzt NICHT in die Hände der Rechteinhaber wandern. Dabei haben diese die Nutzer mit ihren überzogenen Abmahnungen und überteuerten Medienpreisen in die Hände der Pirate Bay Betreiber getrieben.Wie schade eigentlich – die Tatsache, dass soviele Nutzer bereit sind 5€ im Monat zu zahlen lässt mich vermuten, dass das Modell einer Kulturflatrate ähnlich gut angenommen werden würde. Wenn man die Zahlen ein wenig auswertet, so bedeutet dies, dass rund 1% der schweden Bevölkerung sich bereits registriert hat. Innerhalb von 2 Wochen!

Die Medienindustrie muss langsam einsehen, dass sie einen Kampf gegen die breite Masse vielleicht rechtlich dank Lobbyismus gewinnen kann, technisch aber immer den kürzeren ziehen wird. Eventuell könnten Systeme wie OnLive helfen – aber einen Verdrängungswettbewerb werden sie nicht gewinnen. Und das wundert mich auch nicht. Wieviel Geld hat der durchschnittliche Bürger im Monat über für Medien ? 50-100€ vielleicht – und was kann man dafür kaufen ? 2 Blurays und ein Konsolenspiel ? 5-10 Musikalben ? Auf jeden Fall deutlich weniger als der Durchschnittbürger konsumiert würde ich vermuten.

Gerade im Bereich Musik ist es Zeit für eine Revolution – die Industrie muss hier schleunigst aus der Verwertungskette gezogen werden und die Vergütung sollte direkt zwischen Künstler und Kunde stattfinden. Distribution übers Internet hat sich in den jüngeren Bevölkerungsschichten sowieso etabliert. Und die Kosten Musik zu produzieren sind gering – dafür braucht es keine Milliarden-Industrie. Musikvideos sind teurer – aber es sagt ja auch keiner, dass die Industrie nicht gerne versuchen kann über diesen Weg eigene Titel entsprechend zu promoten. Nur wollen wir Bürger nicht mehr gemolken werden ohne Ende.

Im Bereich Film und Videospiel sieht es da anders aus – die Kosten für gute Videospiele und Filme lassen sich nicht von Privatpersonen tragen. Hier kann ich die Industrie deutlich besser verstehen – aber Filme und Videogames werden viel, viel seltener abgemahnt. Man möchte es sich eben nicht mit der Kundschaft versauen ( und diese vor allem nicht für anonymisiertes Tauschen zahlen lassen – denn wenn er Geld dafür ausgibt, dann hat der Nutzer ein wesentlich besseres Gewissen!).

Es wird Zeit, dass sich was bewegt. Was das Volk möchte zeigen die Zahlen – jetzt ist es an den Politikern die Wünsche des Volkes zu erkennen und auch zu vertreten.

PS: Links habe ich absichtlich keine gesetzt – wer die Dienste sucht wird problemlos fündig.

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